So war die Hundemesse in Köln Mülheim

Foto J. MasloFoto J. Maslo

Der Veranstalterin der Hundemesse in Köln Mülheim, Astrid Krauss, ist es gelungen, mit ihren Ausstellern einen Gegenentwurf zur Messe „Jagd und Hund“ zu präsentieren. Geht es bei der Messe „Jagd und Hund“ zentral um das Thema „Töten von Tieren“ und an nicht wenigen Ständen um das Verbreiten von Jägerlatein zu Hunden, konnten die Besucher in Köln Mülheim viele Informationen rund um die großen Themen Tierheilkunde und Tierschutz sammeln. Darüber hinaus waren Aussteller auf der Messe zu finden, die schöne und pfiffige Ideen bei Halsbändern, Leinen, Körbchen sowie andere Produkte für Hunde präsentierten.

Wir haben einige dieser Stände besucht und uns dabei auf die Themen Tierschutz und vegane Produkte konzentriert. Dabei haben wir in Gesprächen mit den Ausstellern Folgendes erfahren:

Die Tierschützer des noch jungen Vereins Casa Animale aus Gefrees nahe Bayreuth, der in diesem Jahr seinen 10. Geburtstag feiert, erklärten uns, dass sie mit ihrem Schutzhof insbesondere Hunden aus dem Ausland eine Chance bieten wollen. Diese Hunde würden sonst weiterhin in Tötungsstationen ihr entbehrungsreiches Dasein fristen. Seien diese Hunde erst einmal auf dem Schutzhof, ginge es darum, die richtigen Menschen für sie zu finden. Auch schwer vermittelbare Hunde, wohlmöglich auch nicht vermittelbare Hunde, finden auf dem Schutzhof von Casa Animale einen Ort, der mitunter das Beste ist, was diese Hunde in ihrem Leben bisher erfahren haben.

Auch der Verein Greyhound Protection International aus Troisdorf (zwischen Köln und Siegburg gelegen) war vor Ort. Die Damen und Herren von Greyhound Protection erzählten uns, dass sie sich um die extrem schnellen Greyhounds und Galgos, die in vielen Ländern auf Rennbahnen und als Jagdhunde missbraucht werden, kümmern. Dabei werden die Hunde in diesen Ländern nicht selten schon im Welpenalter aussortiert. Welpen, die nicht die vom Züchter gewünschte Voraussetzung als erfolgreicher Jagd- oder Rennhund mitbringen, werden grausam getötet oder ausgesetzt. Als Greyhound ist eine traumatisierende und entbehrungsreiche Rennkarriere meist mit vier Lebensjahren beendet. Danach folgt das mitunter Tod bringende Aussortieren. Den jagenden Galgos geht es nicht besser. Lässt die Jagdleistung nach, wartet auf sie das gleiche Schicksal. Der Verein Greyhound Protection International hat es sich zum Ziel gesetzt, über diese grausamen Praktiken aufzuklären, vor Ort zu helfen, und Hunde, die gerettet werden können, über Pflegestellen zu den richtigen Menschen zu vermitteln.

Einen informativen Stand präsentierten die Tierschützerinnen und Tierschützer von Hundsgemein. So erläuterten uns die Aktivisten von Hundsgemein, dass sie ein Tierschutzthema in den Fokus rückten, das in den letzten Jahren immer mehr in den Hintergrund geraten sei. Es gehe um die Diskriminierung von Pitbull, Stafford und Co durch die Landeshundegesetze oder Verordnungen. Viele dieser Hunde sind seit Jahren in Tierheimen untergebracht und nur schwer vermittelbar, weil die Landeshundegesetze diese Hunde als gefährlich einstufen. Von Menschen, die mit diesen Hunden leben möchten, wird die Erfüllung von Auflagen verlangt, die stigmatisierend und nur schwer umsetzbar sind. (Anmerkung R. u. C.) Bestimmte Hunde grundsätzlich als gefährlich einzuordnen und andere Hunde grundsätzlich als ungefährlich, ist fachlich nicht haltbar. Jeder Hund bringt bestimmte Voraussetzungen und Bedürfnisse mit, die für ein artgerechtes Leben eines Hundes erfüllt werden müssen. Werden diese Bedürfnisse nicht erfüllt, kann es zu unerwünschten Verhaltensweisen kommen. Nicht der Hund ist hier das Problem, sondern der Mensch. Hundsgemein wird nicht müde, über diese gesetzlich vorgeschriebene Diskriminierung zu informieren. Hundsgemein vermittelt zwischen Behörden, Vereinen und Tierheimen und kooperiert mit anderen Tierschutzvereinen. Und Hundsgemein unterstützt Menschen, die mit einem stigmatisierten Hund zusammenleben möchten.

Auch informierten auf der Hundemesse die Tiertafel Rhein Erft und die Tiertafel Köln über ihr ehrenamtliches Arbeiten. Bei diesen Tiertafeln bekommen Menschen, die in finanzielle Not geraten sind, kostenlos Futter für ihre vierbeinigen Familienmitglieder wie Hunde und Katzen. Für Senioren mit unzureichender Rente, Arbeitssuchende, Obdachlose und andere Menschen, die unterhalb des Existenzminimums leben, sind die Tiertafeln eine große Unterstützung. Dabei ist es der Tiertafel Rhein Erft wichtig, darauf hinzuweisen, dass Hunde und Katzen nicht selten für Menschen, bei denen das Geld nicht für den Lebensunterhalt reicht, der letzte Sozialkontakt sind.

Ein besonderes Projekt stellten die Damen und Herren vom Verein Birkenhof (Eifel) vor. Die Birkenhofer haben sich Großes vorgenommen. Ihnen geht es um das Miteinander von Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen und Hunden. Auf dem Birkenhof haben Menschen mit Handicap die Möglichkeit, mit Huskies in Kontakt zu treten. Sei es spielerisch, schmusend oder bei einem gemeinsamen Spaziergang. Um dieses Miteinander zu perfektionieren, möchten die Birkenhofer eine Freilauffläche von ca. 20.000 Quadratmetern errichten. Aber auch Wohn- und Geschäftshäuser sind geplant. Aus einer schönen Idee ist ein großes Projekt geworden.

Ein weiteres hervorragendes Hofprojekt in der Eifel stellten uns die Damen vom Verein Hofzeit vor. Hier leben  Schafe und Schweine, die vor dem Schlachthof gerettet wurden, artgerecht. Ehrenamtlich wird beim Hofzeitprojekt nicht nur Schafen und Schweinen ein artgerechtes Leben ermöglicht, auch Mauerbienen, Erdhummeln und Wildvögel gehören zu den Projektthemen. Die Hofzeitler machen sich für Umwelt, Natur und Tierrechte stark. Darüber hinaus werden Hofzeit-Erlebnistage für Schulen, Kinder- und Erwachsenengruppen angeboten.

Zum Thema Freizeit für Mensch und Hund sprachen wir mit Dagmar Gißler von Kulthund. So berichtete uns Frau Gißler, dass Hofzeit und Kulthund kooperieren. Kulthund bietet Naturerlebnisse für Menschen mit Hunden, aber auch für Menschen ohne Hunde. Dazu gehören Themenwanderungen genauso wie Hoffeste oder Schatzjagden für Kinder. Im Sommer stehen auch Kinder-Sommer-Erlebniswochenenden auf dem Programm. Zudem werden Lesungen, Vorträge, Ausstellungen und Sportveranstaltungen von Kulthund organisiert.

Ebenfalls auf der Messe war das Unternehmen Tierbestattung im Rosengarten. Hier konnten sich die interessierten Besucher zum Thema Tierbestattung informieren. (Anmerkung R. u. C.) Verantwortungsbewusste Menschen, die mit Tieren zusammenleben, setzen sich früh mit dem Loslassen des geliebten vierbeinigen Familienmitglieds auseinander. Durch die anwesenden Tierheilpraktiker, Tierkommunikatoren, Veterinäre und das Unternehmen Tierbestattung im Rosengarten war auch das auf der Hundemesse möglich.

Kommen wir zu den veganen Hunde-Accessoires. Selbstredend gehören solche Angebote auch zu einer Hundemesse. Wir sprachen mit Corinna Keus von Flecht-Fieber. An ihrem Stand waren farbenfrohe Paracord-Halsbänder zu bestaunen. Frau Keus erklärte, dass Paracord-Halsbänder aus Nylon gefertigt würden, einem Kunstgewebe, das auch für Fallschirmleinen genutzt werde. Ihre Halsbänder, Leinen und Schlüsselanhänger werden interessant geknotet. Sämtliche Einnahmen von Flecht-Fieber werden abzüglich der Unkosten dem Tierschutz-Verein Casa Animale zur Verfügung gestellt.

Sehr angesprochen fühlten wir uns von dem Jungunternehmen Grüne Pfote aus Köln und seinen schönen Produkten. Die Inhaberinnen M. Korte und M. Gröger teilten uns mit, dass sie für ihre handgefertigten Produkte nur nachhaltige, vegane und natürliche Materialien verwenden. Ziel sei es, für Hunde und Katzen gemütliche und gesunde Kissen, Höhlen und Decken zu fertigen, die besonders ansprechend anzuschauen sind. Gesund darf hier auch besonders attraktiv sein. Spielzeuge gehören ebenso zur Produktpalette. Dabei nutzt Grüne Pfote Dinkelspreu als Füllung. Dinkelspreu hat den Vorteil, genießbar zu sein. Zudem formt es sich so, dass es Gelenke unterstützt und entlastet. Es gibt keine nasenunfreundlichen Ausdünstungen, geschweige denn Gifte. Darüber hinaus nutzt das junge Unternehmen atmungsaktive Baumwollgemische. (Anmerkung C. u. R.) Der Slogan „Wir lieben Natur, wir lieben Tiere, wir lieben gesunde Gemütlichkeit“ wird liebevoll umgesetzt.

Am für uns letzten letzten Stand des Tages besuchten wir Frau J. Maslo und Frau Y. Schlüter. Hier stellte jede der beiden Damen an ihrem gemeinsamen Stand, ihre jeweils selbstgefertigten Hunde-Accessoires vor. Ihre handgefertigten Leinen und Halsbänder sind aus Stoff und Tau. Auch konnten am Stand Schlüsselanhänger und Pfeifenbänder bestaunt werden. Als weitere Materialien werden u. a. Baumwolle, Gurtband und Kunstleder verwendet. Beiden Damen verarbeiten aus ethischen Gründen keine tierischen Produkte. Wir finden die Hunde-Accessoires von Frau Maslo und Frau Schlüter nicht nur besonders schön, auch dass ihre Waren nicht auf Bestellung zu bekommen, sondern nur am Stand direkt zu erwerben sind, ist ein charmantes Alleinstellungsmerkmal. Die nächste Gelegenheit ist das Frühlingsfest des Tierheimes Recklinghausen am 7. Mai 2017.

Die Hundemesse in Köln Mülheim hatte für jede Hundefreundin und für jeden Hundefreund etwas zu bieten. Das Bühnenprogramm mit Inhalten wie Hundesport oder gelebter Tierschutz rundete die Messe ab. Kritisch bleibt abschließend zu bemerken, dass mancher Hund, der von seinem „Leitmenschen“ mitgeführt wurde, stark unter Stress zu leiden hatte. Ab 12 Uhr füllte sich die Mülheimer Stadthalle so sehr, dass Hunde keine Ausweichmöglichkeiten mehr hatten.

Die Hundemesse findet im Laufe des Jahres 2017 noch an verschiedenen anderen Orten statt. Beispielsweise am 8. und 9. April in Mönchengladbach sowie am 3. Dezember in Dormagen.

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