DAS ELEND DER „RASSETIERE“

DoggeFoto: Initiative "Mensch, Hund und"

Sie röcheln, die Augen tränen und ihre Gelenke sind geschädigt – die Rede ist von Qualzuchten. Viele Menschen denken sich nichts dabei, wenn ihr Mops „so niedlich schnarcht“ oder der Dackel auf seinen kurzen Beinen „lustig“ durch die Gegend wackelt. Doch die Beschwerden der Vierbeiner sind keineswegs harmlos.

Der § 11b des deutschen Tierschutzgesetzes verbietet es zwar, Tieren Merkmale anzuzüchten, unter denen sie leiden; der Gesetzgeber hat es aber bislang versäumt, verbindliche Richtlinien darüber festzulegen, wie diese zu definieren sind. Aus diesem Grund herrscht ein massives Vollzugsdefizit und Qualzuchten sind noch immer weit verbreitet.

Irrationale Zuchtziele sowie Vorgaben von Verbänden und Preisrichtern bei Wettbewerben haben zu völlig deformierten Körpern geführt. Die Tiere werden wie Ware produziert und über Onlineportale, Zeitungsannoncen, auf Tiermärkten oder vom „Züchter des Vertrauens“ gewinnbringend verkauft. Es existiert eine regelrechte Mode – bei fühlenden Lebewesen.

Mops, Bulldogge & Co

Im Heimtierbereich ist der Mops mittlerweile zum Symbol für Qualzucht geworden. Bei ihm – wie z. B. auch bei französischen und englischen Bulldoggen – führt der verkürzte Gesichtsschädel, der ihm aufgrund des beliebten Kindchen-Schemas angezüchtet wurde, zu ständiger Atemnot. Hunde dieser Art sind den Anforderungen eines normalen Hundelebens nicht gewachsen. Selbst Spaziergänge, Spielen, Autofahren und jede Art von Aufregung können zu einer ernsthaften Gefahr werden.

Bei Hitze oder starker Aufregung kann der Hund so sehr in Panik geraten, dass tierärztliche Hilfe nötig ist und sogar Lebensgefahr besteht. So sind manche Hunde nur nach einer erfolgreichen Operation überhaupt lebensfähig; unzählige Tiere erreichen nicht ihre normale Lebenserwartung. Durch die Oberkieferverkürzung schließt das Gebiss nicht richtig – die Tiere können nicht gut abbeißen. Die Zähne haben in den reduzierten Kiefern nicht ausreichend Platz. Ausgeprägte Zahnfehlstellungen, daraus resultierende Zahnschmerzen und Zahnverlust sind die Folge.

Hatten diese Hunde schon immer diesen kurzen Nasenschädel?

Nicht immer hatten Französische Bulldoggen, Möpse und Pekinesen so kurze Schädel. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren ihre Nasen länger. Erst durch gezielte züchterische Anstrengungen hat sich ein „Kindchen-Schema“ durchgesetzt, durch das sich dieses Merkmal in den letzten 100 Jahren verschärft hat.

Der Dackel

Auch der Dackel ist eine Qualzucht. Er neigt zu frühzeitigen Fehlbildungen im Bereich der Zwischenwirbelscheiben. Erkennbar ist dies an seinen verkürzten und fehlgestellten Beinen. Durch die Qualzucht kommt es zu einem vorzeitigen Wachstumsstillstand, dem sogenannten Zwergwuchs.

Auf diese Weise wurden dem Dackel zunehmend kurze Beine und ein besonders langer Rücken „angezüchtet“. Die Folge sind deutlich häufiger auftretende Bandscheibenvorfälle. Diese führen zu unterschiedlichen Symptomen. Starke plötzliche Schmerzen im Hals oder im Rücken, erhöhte Berührungsempfindlichkeit und Lähmungserscheinungen der Vorder- und/oder Hinterbeine gehören dazu.

Aufgrund dieser Symptomatik spricht man hier auch von der „Dackellähme“. Betroffene Hunde wollen oder können sich nicht bewegen. Tiere, die noch in der Lage sind, sich zu bewegen, zeigen häufig einen schwankenden Gang. Bei besonders schwerwiegenden Fällen kann es darüber hinaus zu Komplikationen und Störungen der Blasenentleerung und des Kotabsatzes kommen. Hunde mit „Dackellähme“ leiden unter starken Schmerzen. Einige Tiere können nie wieder selbstständig laufen. Denn nicht immer hilft eine Operation.

Was können wir tun?

Um dieser Dynamik ein Ende zu setzen, ist es wichtig, die Zucht dieser bemitleidenswerten Geschöpfe nicht weiter zu unterstützen. Deshalb kauft bitte keine (qualgezüchteten) Hunde beim Züchter. Wenn ihr euch dafür entscheidet, einen Hund in eure Familie aufnehmen, werft einen intensiven Blick in die Tierheime. Hier gibt es so viele tolle Hunde, die dringend auf ein neues Zuhause warten. Auch wir nehmen ausschließlich Hunde aus dem Tierschutz bei uns auf. Jeder ist eine ganz besondere Persönlichkeit, die uns jeden Tag sehr viel Freude bereitet. Wir haben diese Entscheidung noch nie bereut.

 

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