HERDEN-SCHUTZHUNDE SCHÜTZEN VOR DEM „BÖSEN WOLF“

Foto: NABU/Jürgen Boris / Kampagne: "Willkommen Wolf"Foto: NABU/Jürgen Boris / Kampagne: "Willkommen Wolf"

Wir nehmen den heutigen Weltartenschutztag zum Anlass, um uns dem Thema „Wolf“ zu widmen. Ein Thema, das viele Nutztierhalter nach wie vor verunsichert. Und das, obwohl es die gute Möglichkeit gibt, beispielsweise Schaf- oder Ziegenherden mithilfe von Herdenschutzhunden optimal zu beschützen.

Auch 15 Jahre nach Rückkehr der Wölfe nach Deutschland sind selbst in Bundesländern, in denen Wölfe bereits seit vielen Jahren leben, noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um Schafe und andere Nutztiere vor möglichen Übergriffen zu schützen. Ungeschützte Nutztiere können für Wölfe der Auslöser sein, häufiger auf Weiden nach Beute zu suchen.

Herdenschutz muss in Wolfsregionen flächendeckend umgesetzt werden.

„Die Pflicht zum Schutz von Nutztieren vor Schäden liegt bei den Eigentümern. Diese Aufgabe wird von sehr vielen Nutztierhaltern äußerst ernst genommen. Wichtigstes Ziel muss es jedoch sein, dass Herdenschutz in Wolfsregionen auch flächendeckend umgesetzt wird“, äußert sich NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. In den Teilen Deutschlands, in denen Wölfe erst seit kurzem heimisch seien, müssten Nutztierhalter aktiv unterstützt werden, um das Zusammenleben von Mensch und Wolf in einer besiedelten Landschaft möglichst konfliktfrei zu regeln.

Ein Erfolgsmodell dafür ist der Herdenschutzhund. Herdenschutzhunde, offiziell als „Hirtenhund im Herdenschutzeinsatz“ bezeichnet, werden weltweit seit Jahrtausenden erfolgreich eingesetzt – nicht nur zum Schutz von Schafen, sondern auch bei Rindern, Pferden oder Gatterwild. Die Methode ist uralt und hat sich rund um den Globus bewährt: Über 50 verschiedene Arten existieren. Einige davon schützen auch in Deutschland die ihnen anvertraute Herde gegen Übergriffe.

Richtiger Herdenschutz nutzt auch den Wölfen.

„Herdenschutzhunde wachsen schon als Welpe in ‚ihrer‘ Herde auf. Sie binden sich sowohl an das Territorium als auch an die Herdentiere. Bei Gefahr demonstrieren sie Stärke und Überlegenheit und schlagen Alarm. Wölfe riskieren in den seltensten Fällen einen Kampf mit den mindestens ebenbürtigen Hunden und ziehen weiter. Diese Erfahrungen werden von Nutztierhaltern, die Herdenschutzhunde einsetzen, immer wieder bestätigt. Die Zahl der durch Herdenschutzhunde bewachten Herden in Deutschland nimmt stetig zu – was wiederum den Wölfen nützt. Weniger Konflikte führen zu mehr Akzeptanz – richtiger Herdenschutz nutzt also auch den Wölfen. Übrigens: Herdenschutzhunde stellen keine Gefahr für Touristen und Haushunde dar, sofern diese außerhalb des Zaunes bleiben oder sich auf Almweiden ruhig und besonnen verhalten.

Damit Herdenschutz in Wolfsgebieten flächendeckend angewendet und Herdenschutzhunde eingesetzt werden können, müssen für Nutztierhalter Anreize geschaffen und politische Rahmenbedingungen zügig angepasst werden. So sind zum Beispiel die Bestimmungen der Bundes-Hundehaltungsverordnung noch nicht auf den Einsatz von Herdenschutzhunden ausgerichtet. Auch ist die Vermeidung von Nutztierrissen ist immer noch kein Bestandteil der Ausbildung von Nutztierhaltern. Pauschale Beschränkungen der finanziellen Höhe staatlicher Unterstützung, beispielsweise bei der so genannten De minimis Beihilfe der EU, bewertet nicht nur der NABU als absolut unzureichend und fordert eine entsprechende Nachbesserung.

Günther Bloch meinte so treffend, wir bekommen den Wolf nicht zum Nulltarif. Und nicht wenige von uns fordern von Völkern, die mit weitaus größeren Raubtieren wie Löwen, Tigern und Leoparden zusammenleben müssen, diese zu schützen und alles möglich zu machen, um in Koexistenz leben zu können. Liegt es am Ende wieder nur am Geld, dass wir nicht alles dafür tun, damit wir mit dem wunderbaren Wolf im friedlichen Miteinander leben können.

4 Kommentare zu HERDEN-SCHUTZHUNDE SCHÜTZEN VOR DEM „BÖSEN WOLF“

  1. Annegret Sproesser | 4. März 2018 um 0:11 | Antworten

    „Die Pflicht zum Schutz von Nutztieren vor Schäden liegt bei den Eigentümern.“
    Hier liegt der erste Denkfehler des NABU-Bundesgeschäftsführers Leif Miller. Der Schutz meines Eigentums obliegt nach GG Art. 14 dem Staat. Dafür behält sich dieser das Gewaltmonopol vor.
    „Herdenschutzhunde stellen keine Gefahr für Touristen und Haushunde dar, sofern diese außerhalb des Zaunes bleiben oder sich auf Almweiden ruhig und besonnen verhalten.“ Hier liegt der zweite Denkfehler. Touristen verhalten sich nicht besonnen. Touristen haben für den Genuss der Landschaft bezahlt und bestehen nun auf ihrem vermeintlichen Recht dies unter allen Umständen zu tun. Es gibt eine Schäferei im Wallis, die genau deshalb ihre HSH wieder abschaffen musste.

    Es gibt keinen richtigen oder falschen Herdenschutz. Es gibt nur Herdenschutz der funktioniert und Herdenschutz, der nicht funktioniert. HSH rechnen sich nur für große Herden. Die Minimalausstattung einer Schäferei mit Herdenschutzhunden sind 6-8 Hunde. Um diese zu unterhalten wird der Gegenwert von 37,5 Lämmern benötigt. Um diese zu erzeugen benötigt der Schafhalter 21 Mutterschafe zuzüglich der Tiere, die die Lämmer zur Remontierung erzeugen(20% der Herde). Die durchschnittliche Herdengröße in Baden-Württemberg beträgt 20, in Bayern 30 Mutterschafe. Es darf jeder gerne selbst ausrechnen, was dann noch für Winterfutter, Pachtzahlungen, Berufsgenossenschaft, Impfungen, Haftpflichtversicherung, Investitionen für Erhaltung von Maschinen, Gebäuden, in die Zukunft des Betriebes und nicht zuletzt Altersversorgung und Lohn des Schafhalters draufgelegt werden muss.

    HSH sind keine Maschinen, die man abstellt, im Schuppen lagert, vor dem nächsten Gebrauch wartet und wieder in Betrieb nehmen kann. Diese Hunde sind Tiere, die alleine aufgrund dessen ein Recht auf Fürsorge haben. Ob ihrer Gefährlichkeit und Unabhängigkeit müssen sie eng betreut werden. Das an 365 Tagen im Jahr von mindestens 2 Personen, für den Fall, dass einer der Betreuer ausfällt. Ja, auch Tierhalter machen mal Urlaub oder brechen sich einfach einmal ungefragt ein Bein.

    Was ist mit dem Verbot im Tierschutzgesetz ein Tier auf ein anderes zu hetzen? Nichts anderes ist Herdenschutz mit HSH! Was machen wir mit den knapp 30% geborener, aber nicht für Ihren Verwendungszweck brauchbaren HSH, die entweder Menschen oder die zu schützenden Tiere oder beides angreifen? In einen Privathaushalt ist ein solch potentiell gefährlicher Hund nicht zu vermitteln. Dürfen die Viehhalter diese Tiere dann bei Herrn Leif Miller im Vorgarten abstellen? Was ist mit dem Verbot der Hundehaltung hinter Elektrozäunen? Mit der Verpflichtung auch den HSH eine Schutzhütte, die von denen meistens nicht genutzt wird, zur Verfügung zu stellen?

    Der Bestand des Wolfes in Deutschland ist nicht gefährdet, ganz im Gegenteil. Zum Erhalt der Wolfspopulation sind laut Boitani 250 Exemplare nötig, sofern diese mit Nachbarpopulationen im Austausch steht. Dazu genügt ein Exempar pro Jahr. Ein Wolf im Schwarzwald stammt aus Niedersachsen, der baltischen….Population, ein anderer aus Italien. Lediglich auf Inseln ist eine Population von 1000 Tieren erforderlich. Dieses Soll haben wir mit 500 Wölfen in Deutschland bereits übererfüllt und Deutschland ist keine Insel.

    In unberührter Wildnis werden pro Rudel im Durchschnitt 4 Welpen geboren, wovon 1-2 ihren 2. Winter erleben. Dass, wie in der Lausitz, 9 Welpen geboren werden, die alle durchkommen ist in höchstem Maß unnatürlich.

    Es ist nun höchste Zeit aktiv zu werden. Nur durch Verfolgung werden Wölfe scheu, ziehen sich in dünnbesiedelte Gebiete zurück, ernähren sich von Wildtieren knapper als von Wiedetieren und bekommen deshalb weniger Nachwuchs. Wenn der Wolf nach guter jagdlicher Praxis bejagt wird, können wir alle diese Effekte erzielen ohne im Namen von Natur- und Artenschutz so ungeheures Leid, wie im Nordosten unseres Landes über Menschen und Tiere zu bringen.

    Es bereitet niemandem Vergnügen jeden Morgen, wenn er aufbricht um auf den Weiden nach dem Rechten zu sehen, fürchten zu müssen ein Massaker mit toten und noch lebende Tiere mit aufgerissenen Bäuchen aus denen auch mal teils noch lebende Lämmer herausschauen anzutreffen. Das ist mit Geld nicht zu entschädigen!

    Auch Weidetiere haben ein Recht auf Tierschutz.

    Der Wolf ist nicht vom Aussterben bedroht, die Existenz der kleinen weidetierhaltenden Betriebe sehr wohl. Ca. 80 % der „ungünstigen Flächen“, die nicht mit großen Machinen bearbeitbar sind werden von kleineren Schaf- und Ziegenbetrieben gepflegt. Wer hält diese Flächen für seltene Pflanzen, Boden- und Heckenbrüter und die, für die beiden vorgenannten so wichtigen, Insekten frei. Schaf- und Ziegentritt als Erosionsvorbeugung ist mit Maschinen nicht zu leisten. Verzichten wir für eine Überpopulation an Wölfen dann auf die vorgenannten Naturschutzziele?

    Ziel des Wolfsschutzes ist, die Erhaltung einer ausreichenden Population (250+- 10%) und nicht möglichst viele Wölfe nach Deutschland hineinzupressen. Denn dann werden die Eigentümer der Nutztiere den Rat des Herrn Miller befolgen und irgendwann den Schutz Ihrer Tiere wirklich selbst in die Hand nehmen. Auch das wollen wir alle nicht.

  2. Angela Kaiser | 5. März 2018 um 10:45 | Antworten

    Gehört Fr. Sproesser auch zu den NUTZTIERHALTERN die nur an ihre Geldbörse denken und keine Bereitschaft zur Veränderung zeigen? Zumindest die Tonart ist wie in der BILDZEITUNG. Massaker richten Menschen in Kriegsgebieten an! Wölfe nehmen ihre Beute für ihre Familie mit. Wie beschrieben agieren verwilderte oder wildernde Hunde. Hat es einen DNA Test gegeben? Auch die angegebenen Zahlen sind falsch und von vielen Studien wiederlegt.

  3. Aktuell leben in Deutschland 60 Wolfsrudel. Platz ist für 400 Rudel. Die meisten Wölfe sterben durch Kraftfahrzeuge. An 2. Stelle steht der illegale Abschuss.

  4. Über 30 tote Schafe in BaWü. Wahrscheinlich von einem Wolf gerissen. Richtig ist, die Mehrzahl dieser Schafe ist ertrunken, einige wurden eingeschläfert und die wenigsten gerissen. Am rande sei noch bemerkt das auch dieser Schäfer keinen ausreichenden Zaun genutzt hat, zum Fluss hin überhaupt keinen, geschweige denn Herdenschutzhunde….

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