EIN BÜROHUND MACHT GLÜCKLICH

Unser Bürohund heißt Juli.

Foto: Initiative "Mensch Hund und"Unser Bürohund heißt Juli. Foto: Initiative "Mensch Hund und"

Burnout und Depressionen kosten die Volkswirtschaft jährlich mehrere Milliarden Euro. Doch es gibt ein Gegenmittel, das kostspieligen Arbeitszeitausfällen und Therapien vorbeugt. Bürohunde sind in der Unternehmenskultur keine Seltenheit mehr und überzeugen zunehmend auch Skeptiker. 

Ein sanftes Schnarchen ist im Büro eines Berliner Unternehmens zu hören. Doch was sich da leise um die Mittagszeit Gehör verschafft ist kein Angestellter, der über seinen Aktenbergen in den Schlaf gefallen ist – jedenfalls ist es kein üblicher Angestellter. Was sich da genügsam auf der Schlafdecke räkelt ist ein Hund. Luna ist ihr Name. Ihr Frauchen durfte sie probeweise mit zu Besuch zur Arbeitstelle nehmen. Der Geschäftsführer möchte testen, wie sich Lunas Anwesenheit auf das Arbeitsklima und die Arbeitsweise der Angestellten auswirkt.

Bereits 2012 hatte Professor Randolph T. Barker von der Virginia Commonwealth University wissenschaftlich nachgewiesen, dass Hunde im Büro signifikant den Stresslevel der Mitarbeiter senken. Als Professor für wirtschaftliches Management standen vor allem Faktoren der Effektivitätssteigerung von Unternehmen im Mittelpunkt seiner Untersuchungen. Das Ergebnis war eindeutig: Bürohunde sind einer dieser steigernden Faktoren.

Das weiß auch Markus Beyer, Vorsitzender des Bundesverbandes Bürohund e.V. Seit der Gründung des Vereins berät er viele Unternehmen und Angestellte über die Dos und Don‘ts bei der Zulassung von Bürohunden. Selbst seit vielen Jahren Hundetrainer weiß er genau, worauf es dabei ankommt – und weiß von Erfolgen zu berichten. „Ein Bürohund kann zu einer sichtbaren Senkung der Krankenkosten und der Arbeitsunfähigkeitstage für das Unternehmen führen“, so sein Resümee.

Ein Hund senkt den Stresslevel.

Doch was ist der Grund für die positive Auswirkung von Bürohunden auf unser Miteinander im Büro und unsere Leistungsfähigkeit? Eine Antwort auf die Frage ist: Hormone. Ganz konkret das Hormon Oxytocin. Angstlösend, beruhigend, blutdrucksenkend, stressmindernd, Verbesserung der Empathie und Verminderung von Depressionen, all das sind Eigenschaften, die dem Oxytocin zugewiesen werden. “Human-Human and Human-Animal Interaction” nennt die schwedische Wissenschaftlerin Dr. Handlin die Wechselwirkung zwischen unseren Hormonen bei der Anwesenheit von Hunden. Sie konnte nachweisen, dass die Hormonentwicklung von Oxytocin bei stillenden Müttern nahezu identisch ist zur Hormonentwicklung sowohl bei Menschen, die einen Hund streicheln als auch beim gestreichelten Hund selbst.

Mensch und Hund machen sich gegenseitig glücklich.

Mehr noch – die Natur hat es im Laufe von Jahrtausenden des gemeinsamen Zusammenlebens von Mensch und Hund geschafft, beide Spezies so auszustatten, dass sie sich gegenseitig glücklich und gesünder machen. So gesehen, eine Erfolgsgeschichte der Evolution, die es neu zu entdecken gilt.

Und die Rechnung aus Sicht des Unternehmens geht auch auf. Ein Bürohund kann gesündere, motivierte und kreativere Mitarbeiter bedeuten und damit geringere Krankenkosten, stabilere Personalstrukturen und bessere Arbeitsergebnisse. „Wir haben den Aufwand der unterschiedlichen Phasen des Burnouts-Krankheitsverlaufes eines Mitarbeiters mit bis zu 125.000 Euro je Fall berechnet. Neben der menschlichen Belastung einer solchen Erkrankung, Grund genug sich aktiv über Problemlösungen Gedanken zu machen“, so Beyer.

Das Wohl des Hundes muss sichergestellt sein.

Zur Genehmigung der Mitnahme und der adäquaten Integration eines Hundes im Büro, sind für die drei beteiligten Gruppen: Mitarbeiter, Unternehmen und den Hund selbst, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. So müssen Lösungen für Allergiker und für Menschen mit Angst vor Hunden gefunden werden. Rechtliche Aspekte müssen geprüft werden und das Wohl des Hundes muss sichergestellt sein.

Dennoch weist Beyer auf die Limitierungen eines Bürohundes hin: „Ein Hund im Büro allein kann beispielsweise nicht fehlende Wertschätzung oder insgesamt fehlende Professionalität im Umgang mit Mitarbeitern ausmerzen. Daran müssen wir Menschen selbst arbeiten. Aber der Bürohund kann ein erster und wichtiger Schritt sein“.

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