RASSENWAHN

Bild/Motiv: PETABild/Motiv: PETA

Nachdem wir uns in den letzten Wochen viel mit Hundemessen und deren Ausstellern beschäftigt haben, sprechen wir heute das Thema „Rassehunde“ an. Mit diesem Thema sind wir immer noch nah an „Hundemessen“, da auch hier in vielen Fällen – oder auch auf „Rasseschauen“ – „Rassehunde“ präsentiert werden. Wie wir es auch in unserem ersten Buch beschreiben, gehört für uns schon der Begriff „Rasse“ auf die Müllkippe. Deshalb benutzen wir den für uns abwertenden und stigmatisierenden Begriff grundsätzlich nicht. Jeder Grundsatz kennt Ausnahmen. Und so wird dieser Artikel unsere Ausnahme sein, um den „Rassenwahn“ um Hunde in aller Deutlichkeit darstellen zu können. Wie sagt die Tierschutzorganisation PETA so schön, so wichtig und so richtig: „Kein Rassenwahn bei Mensch und Hund“.

Durch das Züchten werden Hunde zur Wegwerfware.

Regelmäßig berichten die Medien, dass deutsche Tierheime kurz vor dem Aus stehen. Die Gründe sind vielfältig. Tierheime bekommen die finanziellen Folgen verschiedener Krisen des globalen Handels zu spüren. Zudem stagnieren die Spendeneinnahmen für Tierheime und andere Tierschutzeinrichtungen. Immer mehr Hunde fristen in Tierheimen ihr Dasein, da die Menschen, die sich ursprünglich einmal für ihr vierbeiniges Familienmitglied entschieden haben, es aus Kosten- oder Bequemlichkeitsgründen abgeben. Zur gleichen Zeit werden in Deutschland Hunde ihrer „Rassenmerkmale“ wegen wie Massenware produziert und gewinnbringend über Onlineportale, Zeitungsannoncen sowie auf Tiermärkten oder beim „Züchter des Vertrauens“ gehandelt. Dieser Irrsinn bedeutet für Hunde immenses Leid.

Der „Rassenwahn“ des Menschen, Hunde wegen eines bestimmten Merkmals zu erwerben, ohne sich dabei über die Verantwortung, den zeitlichen Aufwand und die Kosten im Klaren zu sein, führt dazu, dass Hunde zur Wegwerfware degradiert werden. Jährlich werden ca. 300.000 Tiere in Tierheime abgeschoben, da ihre Menschen diese nicht mehr halten wollen. Dabei unterscheiden wir sehr genau zwischen den Empathie befreiten Menschen und denjenigen, die tatsächlich aufgrund von Krankheit oder einer existenziell veränderten finanziellen Situation ihren Hund schweren Herzens im Tierheim abgeben.

Das Züchten von behinderten Hunden wird billigend in Kauf genommen.

Hinzu kommt, dass viele der gezüchteten „Mode-“ oder „Designerhunde“ mit schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben. Hier einige Beispiele:

Bulldoggen oder Möpse haben teils gravierende gesundheitliche Probleme. Dazu gehören unter anderem Atemwegserkrankungen aufgrund verkürzter Nasen. Diese Tiere überhitzen leicht und können im schlimmsten Fall an einem Herzversagen sterben. Eine australische Studie hat sogar ergeben, dass sich die Zucht von Hunden auch auf das Gehirn des Tieres auswirken kann. Bei mehreren Rassen mit kurzen Nasen (z. B. Mops, Boxer oder Mastiff) konnte nachgewiesen werden, dass das Gehirn um bis zu 15 Grad nach vorne gerichtet ist; diese Fehlstellung kann den Geruchssinn des Tieres beeinflussen.

Windhunde wie Podencos und Galgos, aber auch Huskies oder Rottweiler haben vermehrt unter den Erkrankungen Cauda Equina und Spondylose zu leiden. Der Bewegungsapparat von Retrievern und Schäferhunden wird häufig durch schmerzhafte Hüftdysplasien beeinträchtigt. Dobermänner können an extrem heißen Tagen durch ein Anschwellen des Hirns geschädigt werden, weil das „Zuchtergebnis“ zu einem zu kleinen Kopf geführt hat. Verhaltensauffälligkeiten sowie motorische Ausfälle bis hin zum Tod können die Folge sein. Auch führen Züchtungen zu Kommunikationsproblemen unter Hunden. Ein Ridgeback signalisiert mit seinem „Irokesen“ ständig, dass er aufgeregt ist. Bobtails und Hunde mit ähnlich stark befellten Köpfen erschweren es anderen Hunden, im Gesicht die Gemütsverfassungen lesen zu können. Selber leiden diese Hunde häufig an Augenentzündungen. Ebenso verhindern bei einigen „Rassen“ die kurz gezüchteten Ruten oder das vom Züchter durchgeführte Kupieren der Ruten im Welpenalter eine unbeschwerte und klare Kommunikation. Bei Dackeln führen die kurzen Beine an ihrem langen und schweren Körper nicht selten zu Lähmungen. Dies, um nur einige „Zuchterfolge zu nennen …

Wer beim Züchter kauft, stellt sich aktiv gegen den Tierschutz.

Auch wer einen Hund aus einer kleinen, privaten Zucht kauft, handelt nicht im Sinne des Tierschutzes. Gerne umgeben sich diese Züchter mit Legenden wie „Sie sollte nur einmal werfen.“, „Das war ein Deckunfall.“, …

Egal bei welchem Züchter ein Hund gekauft oder in Auftrag gegeben wird, immer wird dadurch einem Hund aus dem Tierheim die reelle Chance auf ein neues Zuhause genommen. Aber selbst wer unbedingt einen Welpen oder ein jungen Hund einer bestimmten „Rasse“ möchte, wird im Tierheim oder auf Pflegestellen von Tierschutzorganisationen sein neues Familienmitglied finden. Keiner muss die verbrecherische und Tierqual fördernde „Produktion“ von Hunden fördern, wo doch unzählige Hunde bereits auf ein Zuhause warten.

Euer Hund wartet bereits auf euch.

Liebe Leserinnen und Leser, wenn ihr mit dem Gedanken spielt, einen Hund in eurer Familie aufzunehmen, gibt es wichtige, grundsätzliche Dinge zu beachten. Dies beschreiben wir ausführlich in einem Kapitel unseres Buchs „Mensch Hund und“. Gerne unterstützen wir euch bei der Wahl des richtigen Hundes und stellen einen ersten Kontakt zum Tierheim oder zur Tierschutzorganisation her, wo euer Hund bereits auf euch wartet. Schreibt uns bitte an.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*



*